Autor*innen stellen ihre Werke vor

Aus der Sicht eines Hamsters – von Markus Hoppe

Ein kleiner Text zu meiner Person:

Mein Name ist Markus Hoppe, 17 Jahre. Ich bin Mitglied der Eichsfelder Autorengemeinschaft. Mit 12 Jahren veröffentlichte ich mein erstes Buch „Weihnachtswichtel Trollnase“ im Undine Verlag. Es folgten weitere Bücher:

Das Primelchen im Bann des Winters, Edgar und das Schniesel, Abenteuer auf Burg Scharfenstein, Der letzte Apfel und jeweils ein Beitrag in Anthologien:

Mörderisches Buffet/  Eichsfeld lecker/ Ein Strauß voller Poesie/Forest Fear/Frühlingsgeflüster (gerade erschienen) Außerdem bin ich als Jugendreporter bei der funky Jugendredaktion der Funke Mediengruppe (unter anderem auch der TA) tätig.

 

„Aus der Sicht eines Hamsters“

Mit steinerner Miene und gepanzertem Wagen

betret‘ ich die Tür zum Warenladen.

Meine Muskeln wurden für diesen Moment trainiert,

meine Augen sind fest auf mein Ziel fixiert,

die Hände mit Latexhandschuh’n verseh’n.

Heut‘ muss ich bis zum Äußersten geh’n.

Gnade war gestern, Mitgefühl morgen.

Heute muss ich die Familie versorgen.

Nach letztem Atmen stürz‘ ich in des Löwen‘s Höhle,

in das Schlachtfeld der Zeit – die Halle des Rewe.

 

Meine Augen scannen jedwede Gefahr.

Okay, es sind nur wenige da.

Das ist wunderbar, mit meinem Wagen fahr‘

ich gradeaus und um zwei Ecken, da seh‘

ich an den Konserven die Kundenarmee.

In meinen Gliedern sitzt der Schreck.

Die kaufen uns’re – meine – Produkte weg!

Das darf nicht sein, ich dacht‘ ich wär fast allein.

Fein, dann leit` ich halt Phase Zwei ein.

Ich konzentrier‘ mich, nehm‘ Anlauf und renne

Geradewegs in die drängende Menge.

„Achtung!“, brüll‘ ich, „Wagen außer Kontrolle!“

Sie schreien, sie springen und ich lande volle

Kanne im dort steh’nden Konservenregal.

Vom Aufprall bleibt wohl `ne Prellung, egal!

Ob Kartoffel-, Nudel- Spargelsuppe, Linseneintopf kein-

-es dieser Köstlichkeiten sacke ich nicht ein.

Nun ja, zugegeben das Lauchsuppengericht,

das ich jetzt dreimal habe, schmeckt eigentlich nicht.

Na und! Wie heißt es? Lieber haben als brauchen!

Ein Mann hilft mir auf. Kann ihm grad noch den Arm verstauchen.

Denn aus den Augenwinkeln bemerkte ich,

wie mein angeblicher Helfer ganz heimelich

mit besagtem Arm den Eintopf stahl.

– Das war sein erstes und letztes Mal.

 

Da wurden die anderen aufmerksam

und durchschauen den genial’n Plan.

Sie fauchen und keifen und greifen nach mir,

ich greif eine Dose, werf‘ sie und schrei: „Hier!“

Wie Wölfe stürzen sie los, ich kann entrinnen.

– Möge der Stärkste den Lauchtopf gewinnen.

 

Regal um Regal, Reihen um Reih’n,

ohne zu schauen greif‘ ich hinein.

So geschah es, dass, ohne, dass ich das jetzt wollte,

ich mit meinem Wagen ‘nen Mann überrollte.

Ein Plünderer war‘s, der lauerte im Graben,

oder hier zwischen Shampoos, um sich an Gaben and’rer Wagen zu laben.

Und die Betonung liegt in dem Fall auf war,

denn jetzt er liegt im Staub, überrumpelt und starr

vor Schreck, doch leider war er nicht allein!

Nein, sein Kumpane springt sofort ein!

Ich bin gezwungen, ihn mit ‘ner Sprite-Flasche auszuschalten.

Natürlich wurd‘ der Mindestabstand eingehalten.

 

Und weiter kauf ich mich durch den Laden,

Toast, Milch, Pömpel, Rasensamen,

Damenbinden, Futter für Katzen und ‘nen Schutztuch für Matratzen.

Hamstern bis die Backen platzen.

Weiter geht es, hier und dort

schlag ich ein paar lange Finger fort.

Und bei der Verteidigung von meinem Brot

tut leider ein linker Haken Not.

 

Plötzlich, und das ist total fatal

steh ich vor einem leeren Regal.

In diesem leergeräumten Fache

lag die wohl allerwichtigste Sache!

Dieses Produkt gibt dem Raubzug erst Sinn!

Ich hab‘s eben gesehen, wo ist es nur hin?

Irgendwer hat es weggenommen!

Schön, wie er will, so soll er doch kommen!

Ich kneife die Augen zusamm’n und blicke umher.

Welcher Mensch hat den Schatz? … DER!

Die Frau mit der Maske und dem Pack Bier!

Ich sprinte ohne zu bremsen zu ihr,

wodurch ich ein wenig den Halt verlier,

bevor ich’s realisier, knie ich vor ihr!

„Hier!“ schimpf ich los, „Sie mit dem Bier!

Geben Sie mir das Klopapier, bevor ich  zum Tier mutier‘!“

Die Frau lässt nen absurd hohen Schrei erschallen

und lässt vor Schreck die Zellulose fallen.

Jetzt kommt mir die Nähe zum Boden gelegen,

ich kann das Papier vom Boden fegen

und dann durch Rückwärtsrobben auf Knien

der verschreckten Frau entflieh‘n.

 

Eine Mission gilt‘s glaub‘ noch zu erfüllen,

ich beginne, den Merkzettel zu entknüllen.

Als ich den Stichpunkt les‘,  beginnt mein Herz zu flattern

Nudeln muss ich noch ergattern.

Bald schon gelingt es, ein Opfer zu finden.

Ich seh‘s g‘rade hinter `ner Ecke verschwinden.

Ich ruf hinterher: „Hey du Pudel!

Gib mir sofort deine Nudel!“

Da kam er zurück. Der Typ war `nen Schrank.

Zornig, voll Muskeln, mit Bart, breit und lang.

Dieser Mann ist ja locker zwei Meter groß!

Was soll ich denn jetzt machen, was mach ich bloß?

Und als ich den Berg mit den Nudeln so seh‘,

kommt mir ne‘ … oke, sehr perfide Idee.

Die Grenze wollt‘ ich eigentlich nicht überschreiten.

Doch keine Zeit für moralische Kleinigkeiten.

 

Ich blick in die Augen des Hyänen,

in meinen Augen glitzern Tränen.

„Ich kann Ihn’n nicht sagen, wie leid mir das tut,

doch versteh’n sie mich doch, uns geht’s echt nicht gut.

Wir leiden leider zu Hause Not,

meine Geschwister sind kurz vor dem Hungertod!

Besonders meine Schwester Emily,

das ist die schwächste der Family.

Und meine Eltern bauen darauf,

dass ich ihr ein letztes Mal Nudeln kauf‘.“

 

Als sich für Sekunden sein Blick erweicht

Hat das meinem Greifreflex längst schon gereicht.

So hol ich den vollen Wagen keck

aus seinem Versteck hinter dem Eck

und renne mit Muskelmax‘s Nudeln weg.

 

Der Weg durch die Kasse ist ehrlich beschwerlich.

Dem ersten Ehepaar vor mir erklär ich,

dass ich nur drei Sachen hier hätt‘,

wenn sie mich vorließen, wär das echt nett!

Die beiden meinen: „Selbstverständlich!“

Ich bedank‘ mich und dräng‘ mich letztendlich

mit meinem überfüllten Wagen vorbei;

ihre Empörung ist mir einerlei.

Dem nächsten fahr ich in die Waden,

danach die mobb‘ ich aus dem Laden

und den letzten der Schlange erinnere ich,

er hätte doch die Nudeln noch nich‘!

Als er mich fragt, wo noch welche sin‘,

verweis‘ ich freundlich auf den Schrank-Mann vorhin.

So rennt er blind in sein Verderben

und ich kann seinen Einkauf erben.

Der Kassiererin völlig pikiertes Gesicht

und der Hass der Masse kümmern mich nicht.

‚Nur ich selbst weiß, welche Not ich leide! ‘,

denk‘ ich, als ich in den Porsche steige.

 

Nun bin ich bei der Familie im trauten Heim.

Um die Wahrheit zu sagen, wohn‘ ich allein.

Doch das ist schnurz, die Packung Papier

gehört erfolgreich samt der ander’n zwölf mir.

Und die erbeuteten Nudeln passen kaum

in den dafür vorgesehenen Nudel-Raum,

in dem ich schon 2 Wagenladungen bunker‘.

Also ich überleb‘, geht die Welt morgen unter.