Echo, Presse

Für viele Frauen ein Stückchen Heimat

25 Jahre ko-ra-le e. V.  –  Festliches Jubiläum im Alten Rathaus

Heiligenstadt. Am Anfang war die Neugier. Da kamen, von reichlich Gerüchten genährt, manche „Interessenten“ in den Raum, später in die Räume des Hauses „Auf der Insel“, Postanschrift Alte Stube, um mal, nach den Worten Karola Klingebiels „kritisch zu beäugen“, was denn da eigentlich passiert. Sieben Frauen hatten einen Verein gegründet. Der wollte unabhängig von Parteizugehörigkeit, Konfession, Nationalität und Alter arbeiten. Was machen die? Kaffeeklatsch?  Dürfen alle Frauen hingehen oder nur solche, die geschlagen wurden? Am Anfang war ein Veranstaltungsplan, der locker auf einem Blatt Papier Platz fand. Heute gibt es umfangreiche Programmhefte und selbstverständlich die Internetpräsenz der Frauenbildungs- und Begegnungsstätte ko-ra-le, abgeleitet von „kommen – rasten – leben“.

Wegen Abriss des Hauses zogen die „Vereinsfrauen“ 1997 um Auf die Rinne 1a. Obwohl dort gute räumliche Voraussetzungen bestehen, hätten die zahlreichen Gratulanten, die sich am Sonntag, 10. April 2106, einfanden, dort gar nicht empfangen werden können. Deshalb stellte Bürgermeister Thomas Spielmann, der für die nächsten 25 Jahre alles Gute wünschte, den Festsaal des Alten Rathauses gern zur Verfügung, damit das Jubiläum gebührend und zeitnah begangen werden konnte. Am 11. April 1991 war der Eintrag ins Vereinsregister des Amtsgerichtes Heiligenstadt erfolgt.

Das Motto des Jubiläumsjahres: „Alles bleibt anders“. Unterstützt wurde die Jubiläumsveranstaltung von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, vertreten durch Ursula Nirsberger.

Dicke Chronikbände boten Einblick in ein Vierteljahrhundert ko-ra-le-Tätigkeit. Der aktuelle Stand im Frühjahr 2016 lautet: Klein, aber nach wie vor sehr aktiv. Der Verein mit 18 Mitgliedern ist Träger der ko-ra-le. Hinzu kommen, gleich einem Netzwerk, die vielen Kursleiterinnen und Referenten und die Besucherinnen und Besucher. Vereinsvorsitzende ist Antje Liebisch, ebenfalls ehrenamtlich im Vorstand arbeiten Gertrud Servatius-Hager, Gabi Nagler und Angela Nagler. Die Geschäftsführung teilen sich Karola Klingebiel und Claudia Klöppner. Eine pädagogische Mitarbeiterin, zwei Frauen im Bundesfreiwilligendienst und zwei Frauen auf der Grundlage von Arbeitsgelegenheiten sind außerdem derzeit beschäftigt.

Für ihre Arbeit mit jungen Müttern und Familien erhielt die ko-ra-le in den 1990er Jahren den Preis der Karl-Kübel Stiftung für Kind und Familie.

Von Anfang an sei die ko-ra-le ein Forum für moderne, anspruchsvolle Frauen gewesen, hob Landrat Dr. Werner Henning hervor und sprach von der Struktur des Eichfeldes, die von den Frauen und Müttern getragen werde. In seinem Vortrag gab er auch dem privaten Gedanken Raum: Denke er an die Anfänge, erinnere er sich an die Babys im Planschbecken. Im Gespräch mit den Geburtstagskindern war hierzu zu erfahren, dass etliche dieser fröhlichen Kleinen, die mit ihren Müttern einen Kurs besucht hatten, heute noch die Treue halten.

27 Frauenzentren gibt es im Freistaat Thüringen. Darauf verwies die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Katrin Christ-Eisenwinder  Die Heiligenstädter Angebote in ihrer inhaltlichen Breite seien fast einzigartig und aller Ehren wert.

Ähnlich lobend äußerte sich Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt, Universität Leipzig. Ihrem Vortrag „Frauenrechte sind auch Menschenrechte“ schickte sie voraus: „Ich lege jetzt mein Manuskript zur Seite und ziehe den Hut vor 25 Jahren Vereinsarbeit“.

Da die ko-ra-le Mitgliedsorganisation des PARITÄTISCHEN Thüringen ist, war Landesgeschäftsführer Reinhard Müller angereist, In seinem Gepäck befand sich ein Vogelhäuschen als Geburtstagsgeschenk. Symbol dafür, dass sich, wie in der ko-ra-le üblich,  unter einem Dach auch eine bunte Schar von Menschen treffen kann.

Beim Gedankenaustausch unterstrich Eva-Maria Träger, Ausländerbeauftragte des Landkreises, sie habe Hochachtung vor der Arbeit der ko-ra-le. Eine sehr gute Zusammenarbeit habe schon bei der Betreuung der Spätaussiedler bestanden, jetzt gäbe es sie bei der Flüchtlingsbetreuung.

„Unsere ko-ra-le“, davon ist Vorsitzende Antje Liebisch überzeugt, ist für viele Frauen ein Stückchen Heimat geworden.“

Christine Bose

Fotos: Christine Bose

 

Bunte Luftballons weisen den Weg Foto: Christine Bose

Bunte Luftballons weisen den Weg
Foto: Christine Bose

Ein Tisch voller Chroniken, Erinnerungen und aktueller Angebote. Im Foto die beiden ko-ra-le-Geschäftsführerinnen Karola Klingebiel (links) und Claudia Klöppner (rechts). Foto: Christine Bose

Ein Tisch voller Chroniken, Erinnerungen und aktueller Angebote. Im Foto die beiden ko-ra-le-Geschäftsführerinnen Karola Klingebiel (links) und Claudia Klöppner (rechts).
Foto: Christine Bose

 

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