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„#Straciatellapudding“ auf der Bühne

 Beitrag von Frau Chistine Bose, erschienen am 20.08.2016 in der TA

Kindertheatergruppe der ko-ra-le erstmals mit eigenem Stück

 

HEILIGENSTADT. (cb)  Alles kam ganz anders. Wie immer zum neuen Saisonauftakt wollte Karola Klingebiel auch im Herbst 2015 mit der Kindertheatergruppe der Frauenbildungs- und Begegnungsstätte ko-ra-le über die Auswahl eines neuen Stückes beraten. Spontane Reaktion der Gruppe: „Eigentlich könnten wir selber mal was schreiben.“ Antwort der überraschten Theaterpädagogin: „Überlegt Euch was in den Herbstferien und schickt mir Eure Vorschläge.“ So entstand „Straciatellapudding“ der beiden vierzehn Jahre alten Autorinnen und Darstellerinnen Hanna Holzborn und Sarah Eckardt. Was dann folgte, charakterisiert die Leiterin als einen sehr kreativen, aber auch sehr anstrengenden Prozess, der von allen Beteiligten Mut erforderte. Liegen Theaterstücke von Profis zu Grunde, müssen die von den Autoren vorgegebenen Szenen und Dialoge auf der Bühne umgesetzt werden. Doch in diesem Fall galt es, Szene für Szene aufzubauen, die Dialoge zu formulieren, so lange, bis ein vollständiges Werk fertig war. „Das waren eigentlich zwei Projekte in einem Jahr“, erläutert Karola Klingebiel. Alle Beteiligten haben ihre Aufgaben gemeistert. Neun Mädchen zwischen zehn und vierzehn Jahren machen mit, in weiblichen und männlichen Rollen. Im Gegensatz zu Mädchen trauen sich viele Jungen nicht so, auf einer Bühne zu agieren. So wie im richtigen Theaterleben üblich und möglich hat sich die Gruppe eine Gastschauspielerin mit dazu geholt. Pauline ist Zehn und spielt in der Schlussszene die kleine Mia. Ein reines Kinderstück ist es nicht; es geht um Probleme, Sorgen und Nöte von Kindern und Jugendlichen, die von ihren Eltern nicht gehört werden, weil die genug mit sich zu tun haben. Obdachlose am Bahnhof der Stadt zeigen Verständnis, werden zu ihrer zweiten Familie. Zum ersten Mal hören diese Menschen am Rande der Gesellschaft die Frage:„Warum seid Ihr obdachlos?“ „Am schlimmsten sind Vorurteile“, wissen die wohnungslosen Männer Kalle und Mick. Von den ach so normalen Passanten werden sie beschimpft und beleidigt, als wertloses, dreckiges Pack, das  herumlungert; als miese Typen, Penner, Kanaken und Zigeuner, die es angeblich nur darauf abgesehen haben, ihre braven Mitmenschen zu bestehlen und zu belästigen. Und dabei haben sie, deren ganze Habe in einen Einkaufswagen passt, selbst mal in geordneten Verhältnissen gelebt, hatten eine Familie, eine Arbeit, ein Heim. Ihre tägliche Alkoholration hilft ihnen, die Ängste zu betäuben, vor der Kälte in der Nacht, vor dem ständigen Lärm der Stadt, vor den „normalen“ Bürgern. Vor der Polizei, die sie vertreiben will; vor den ständigen Herabwürdigungen. Am Ende steht für alle die Erkenntnis, dass Alkohol und Drogen keine Problmemlöser sind, das jedoch das Leben manchmal etwas zu verschenken hat, an jene, die schon gar nicht mehr daran geglaubt haben. Premiere ist am Sonntag, 28. August, um 16 Uhr, in der Theaterwerkstatt im alten Bekleidungswerk; Kartenverkauf  vor Aufführungsbeginn. Die Gruppe dankt allen Sponsoren und  jenen, die es noch werden wollen. Warum das neue Stück „Straciatellapudding“ heißt, wird auf der Bühne beantwortet. Für die Vormittags-Auftritte vor Schulklassen in der Interkulturellen Woche werden noch Anmeldungen entgegen genommen: Telefon: 03606 / 60 36 73.