Theater 2016

Jugendtheatergruppe der ko-ra-le probt neues Gegenwartstück

Gute Nachricht. Eine Darstellerin hat ihre Stimme wieder, die ihr einer Erkältung wegen zeitweise abhanden gekommen war. Sechs junge Frauen und zwei junge Männer ab Fünfzehn, aus Heiligenstadt, Leinefelde, Niederorschel und Uder, gehören zur Jugendtheatergruppe der Frauenbildungs- und Begegnungsstätte ko-ra-le.

Aus langjähriger Erfahrung weiß Theaterpädagogin Karola Klingebiel um das „Schicksal“ von Jugendtheater_Nathan_01 Jugendtheatergruppen. Während Mitglieder der Kindertheatergruppe aus Spaß am Spiel auf der Bühne irgendwann in das Ensemble der Jugendlichen wechseln, bringt für junge Leute der Schulabschluss so gravierende Veränderungen wie Ortswechsel wegen Berufsausbildung oder Studium mit sich. Das bedeutet dann meist auch Abschied aus der Theaterwelt. Aktuell proben Marie Pietzuch, Reginald Jung, Charlotte Dietel, Olga Günther, Laura Günther, Barbara Beykirch, Marie Christin Gunkel und Milen Mladenov. Milen lernt für ein Jahr als bulgarischer Austauschschüler am katholischen St. Elisabeth-Gymnasium in Heiligenstadt. Karola Klingebiel bescheinigt ihm außer schauspielerischem Talent besondere Fähigkeiten im Bühnentanz und bei der Regie-Assistenz. Was alle bedauern, zuallererst er selbst: Seine Heiligenstadt-Zeit, im Austauschprogramm festgeschrieben, endet am 27. Juni 2016, so dass er zur Premiere des „Nathan“ am 28.08.2016 nicht dabei sein kann.

Bei der Auswahl des neuen Stückes, im Herbst 2015, hatte sich die Gruppe dafür entschieden. Nicht für Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) „Nathan der Weise“, sondern für Günter Jankowiaks „Nathan“. Der Berliner Gegenwartsautor, Schauspieler, Musiker und Regisseur hat seinen „Nathan“ auf der Grundlage der historischen Handlung Lessings für junge Leute geschrieben und ebenfalls in Jerusalem des 12. Jahrhunderts angesiedelt. Nach wie vor ist Lessings Anliegen ein sehr gegenwärtiges: Menschlichkeit und Toleranz, friedlicher, achtungsvoller Umgang von Menschen untereinander: Christen, Juden und Muslime. „Ein sehr nachdenkenswertes Stück, mit dem wir viele Interessenten erreichen und sie anregen wollen, sich auch nach dem Theaterbesuch mit dem Thema zu beschäftigen“, lautet die Meinung der Theatergruppe.

Die Darsteller haben sich zunächst eingehend mit dem Inhalt beschäftigt, um ihren eigenen Ansatz zu finden. Am Anfang der Theatersaison 2015/2016 standen, wie in jedem Jahr, solche wichtigen Aufgaben wie theaterpädagogische Übungen, das Fitmachen für die Bühne, das Herstellen der Kulissen und das Nähen der Kostüme.

Die Probe beginnt, mit einer Ansicht der Stadt Jerusalem im Hintergrund. Aber „Nathan“ auf einem modernen Bahnhof? Ist das nicht etwas zu viel Gegenwart? Um Missverständnisse bei Außenstehenden auszuräumen, folgt Karola Klingebiels Erläuterung: Dienstags probt die Jugendtheatergruppe in ihrem Domizil im ehemaligen Bekleidungswerk am Steingraben. Mittwochs sind hier die Kinder dran. Zu deren Stück, über das ebenfalls noch zu lesen sein wird, gehört die Bahnhofsausstattung – und die wird nicht jedes Mal entfernt. Aber nun sind genug der einführenden Worte gewechselt. Heute heißt es: Wir proben die Szenen 4 bis 8.“

(Text: Christine Bose; mit freundlicher Genehmigung der TLZ)