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Der Fußabdruck – von Jana Bauer

Autorin Jana Bauer

Der Fußabdruck

Wenn Simone aufgestanden ist, falle ich noch einmal in einen unwirklichen  Halbschlaf und träume mich in die Welt, die ich gerne hätte.

Simone und ich entspannt am Frühstückstisch, den Tag besprechend, den Plan für den Abend machend und dann gehen wir beide zum Dienst. Ich auf die Bank und Simone…? Ja, wo geht Simone hin? Mit ihrem tollen Abi und den ausgezeichneten Studium der Betriebswirtschaft könnte sie sowohl in der Wirtschaft als auch in der Verwaltung eine gute Anstellung finden, aber nein, das ist ja nichts für sie!

Genau an dieser Stelle platzt mein schöner Traum immer wieder wie eine Seifenblase und ich sehe in das leere Bett neben mir.

Meine wunderschöne, kluge Frau. Warum hat sie nur so einen Dickschädel? Ich will doch gar nichts Böses, nur für sie eine leichtere Arbeit zu vernünftigen Arbeitszeiten und einer entsprechenden Bezahlung, nicht so ein Hungerlohn wie der Bäcker bezahlt. Aber man kann nicht mit ihr darüber reden. Gestern haben wir uns wieder so gezofft, nicht nur wegen der Arbeit, auch wegen unserer Urlaubsreise.  Ich kann doch nicht die Welt retten!

Die Sonnen kitzelt mein Gesicht. Es hilft nichts, raus aus den Federn, ab ins Bad, mit Kaffee und Zeitung auf den Balkon, erst den Sportteil, dann mein Horoskop.                               Ach, die schreiben aber auch wieder einen Quatsch: „Sie fordern Lob und Anerkennung ein, haben Sie das überhaupt verdient? Überdenken Sie ihre Meinung und lassen Sie sich von guten Argumenten überzeugen.“

Und wieder bin ich beim gestrigen Abend.                                                                                       Da will doch Simone nicht in den Urlaub fliegen, weil unser „ökologischer Fußabdruck“ so groß wird, sagt sie. Lieber mit dem Rad durch den Spreewald, meint sie.

Nun ja, wenn ich es recht bedenke, kann das ja auch sehr schön sein. „ Thorsten“ sage ich mir: „ Jetzt werde nicht schwach, denk an das deutsche Wetter und die Mücken…                                                 Nein dann doch lieber Ägypten, gutes Wetter, warmes Meer und  kleine Preise .“

Aber da muss ich noch ein paar gute Argumente finden, einfach wird  das nicht werden.

Bei mir auf der Bank machen eigentlich alle Fernreisen und berichten dann über ihr Erlebtes umfänglich in Wort und Bild. Und ich zeige dann Bilder von unserer Radtour durch den Spreewald. Das ist ja lächerlich.

Über die Urlaubsziele meiner Kolleginnen und Kollegen nachdenkend mache ich mich auf den Weg. Das Wetter ist schön, die Menschen sind gut gelaunt, den Kindern merkt man die Vorfreude auf die bald beginnenden Ferien an.

„Hallöchen  Thorsten“, tönt es neben mir und ich schrecke aus meinen Gedanken auf.

Kathi, meine Kollegin hat mich eingeholt und beißt genüsslich in ein Stück Zuckerkuchen.

„Schöne Grüße von deiner Simone. Bei ihr gibt es einfach die besten Zuckerkuchen. Und dann haben wir gleich noch ein bisschen geschwatzt. “ Kathi strahlt über das ganze Gesicht und steckt mich mit ihrer guten Laune an. Hoffentlich haben die Beiden nicht über den Urlaub gesprochen. Das würde meine Stimmung gleich wieder auf den Nullpunkt bringen.

Aber natürlich haben sie, denn Kathi trällert gleich weiter: „Thorsten, du hast es gut. Wenn ich ja meinen Thomas auch mal überzeugen könnte, unseren Urlaub an der Ostsee auf den Zeltplatz mit Kanu und Fahrrad zu verbringen. Aber nein, es muss  ja Griechenland sein. Viel zu heiß, lauwarmes Wasser und eigentlich unanständig preiswert, wenn man darüber nachdenkt. Ihr macht es richtig und der Spreewald ist ja so schön.“

Sie sieht die anderen Kollegen auf der Raucherinsel (oder sagt man an der Raucherinsel, jedenfalls beim Aschenbecher stehen) und schon ist sie verschwunden und lässt mich verunsichert zurück. Ob gleich die ganze Bank von unseren Urlaubsplänen weiß?

In der Mittagspause werde ich jedenfalls in die Bäckerei zu Simone gehen und mit ihr ein erstes Wort reden, immer diese Gerede über noch gar keine festen Pläne. Ich fahre jedenfalls nicht in den Spreewald.

Der Filialleiter macht seine vormittägliche Runde durch die Büros. „Ach,  Herr Senge, gut dass ich Sie sehe, ich kann ihnen gern die Radwanderkarten vom Spreewaldrundweg geben  und eine wunderbare kleine Pension empfehlen. Toll, dass sie ihre Frau überzeugen konnten einen Aktivurlaub in der Heimat zu machen. Meine Frau will immer ans Meer. Naja, da kann man nichts machen.“

„Vielen Dank“, kann ich gerade noch leicht verunsichert sagen und schon ist der Chef wieder verschwunden.

Komisch, viele Kollegen hatten jetzt auch Hinweise, was wir uns unbedingt anschauen müssen und sie meinen es ganz ehrlich und gar nicht mitleidig.

Also ist Urlaub in Deutschland doch keine so schlechte Idee.

Jetzt muss ich nur noch meine überarbeitete Meinung Simone erklären, aber das kann ich ja gleich in der Mittagspause bei einem Stück Zuckerkuchen tun.

Spreewald und Gurken passen eben doch besser zusammen als Simone und Flugreisen. Und sie hat ja auch Recht mit dem „Fußabdruck“. Wir wollen unseren Kindern eine gesunde Erde hinterlassen. Und da sind wir schon bei dem nächsten Thema: KINDER